Brezel, Christstollen und Stutenkerl

Weihnachtsbräuche und Adventsessen


Wer hat die Brezel erfunden? Warum isst man Brezel zum Advent?

 

Gerade zur Weihnachtszeit erinnern sich die Menschen wieder daran, dass Sitten und Gebräuche wichtig sind, denn sie halten die Familien zusammen. Tannenbaum und Zimtsterne sind uns gut bekannt. Aber was hat die Brezel mit Weihnachten zu tun? Es geht um das Adventsessen. Christstollen und Stutenkerl gehören ebenfalls in diese Kategorie. Das ist interessant. Damit hat man ein schönes und neues Thema zu Weihnachten. Folgen Sie dem Autor auf einer kleinen Kulturreise rund um ein besonderes Gebäck.

Back-Kunst

Ein Bretzel wird aus einem Teigstrang hergestellt. Der Becker schlingt dazu ein Teigstück. Dann rollt er es an beiden Enden immer schmaler, bis es aussieht wie eine Maus mit zwei Schwänzen, aber ohne Kopf. Schließlich dreht der Teigkünstler die beiden Enden nach innen, dabei einmal um sich herum, und befestigt das Ganze an den nach geschwungenen Innenseiten.

Das ganze Schauspiel wird auf mehreren Youtube Videos gezeigt. Es kann einen Großstädter schon erstaunen, vor allem, weil man solche Handwerkskunst als Asphalt-Cowboy überhaupt nicht mehr mitbekommt.

Brezel und Weihnachten

Zur Weihnachtszeit erwartet der moderne Mensch oft keine besonderen neuen Einsichten in Sitten und Gebräuche der Vorväter. Umso aufmerksamer wird der Zeitgenosse, wenn plötzlich eine Allegorie vom Konsumgut „Brezel“ beim Bäcker oder Supermarkt mit dem Fest auftritt, die neu erscheint.

Diese sinnbildliche Herleitung kann nun überzeugen oder auch nicht. Historiker sind der Sache dann auch weiter nachgegangen. Dabei stießen sie auf ein altgermanisches Sonnenzeichen, das vielleicht den Wunsch nach dem kommenden Frühling darstellen konnte. Die Kirchenväter haben jedoch flugs dieses heidnische Symbol verboten – und so kamen schlaue Mönche gegebenenfalls auf die heute bekannte Brezelform. 

Die Brezelform als altgermanisches Sonnenzeichen?
Die Brezelform als altgermanisches Sonnenzeichen?

Ein spezieller Wortschatz

Jetzt haben Sie schon drei interessante Ausdrücke im Zusammenhang mit dem Brezel erfahren. Diese sind:

  • Der Teigstrang als Grundlage für die Brezelform
  • Das „Schlingen“ im Herstellungsprozess und
  • Den Gebrauch als Devotionalie in Form der scheinbar gekreuzten Arme.

Der letzte Ausdruck führt zur etymologischen Herkunft des Wortes „Brezel“. Er leitet sich aus dem lateinischen Wort bracchus her, und dies bedeutet im Deutschen der Arm.

Es treten aber noch mehr interessante Wortbildungen hervor. Bei der Brezel handelt es sich um ein sogenanntes Gebildbrot (*). In diesem Ausdruck ist das Wort Bild oder Form enthalten. Und tatsächlich haben unsere Vorfahren eine enorme Kreativität in der Formgebung unseres täglichen Brotes bewiesen. Zum Typs Gebildbrot gehören nämlich:

  • die Brezel
  • der bekannte (Hefe-)Zopf
  • der Stutenkerl und 
  • die beliebten Lebkuchenherzen.

Damit ist der Text wieder an seinem Ausgangspunkt angelangt. Nämlich den Sitten und Gebräuchen zum Weihnachtsfest. Die Brezel kann als eine sonderbare Abart des weihnachtlichen Gebäcks erscheinen. Eine Spitzenstellung zu Weihnachten nimmt sicherlich der Christstollen ein. Auch er gehört zu den Gebildbroten. Und damit schließt sich der Kreis in diesem Thema.

Der Christstollen ist auch ein "Gebildebrot".
Der Christstollen ist auch ein "Gebildebrot".