Informationsüberflutung

Wenn das Becken bald überläuft, dann stellt man den Wasserhahn ab. Oder man drosselt den Wasserlauf. Als dritte Möglichkeit kann der Benutzer das Wasservolumen von vorneherein dosieren.
Abstellen, drosseln, kalibrieren – so gehen wir mit dem Wassereinlauf im Spülbecken oder in der Badewanne vor. Warum gibt es dann in unserem Leben eine Informationsüberflutung? Mal schauen …


Auf den Punkt gebracht

Informationsflut allenthalben. Wir werden überschüttet mit Nachrichten, mit Daten und manchmal mit komplizierten Bedienungsanleitungen. Wie kommt man damit zurecht? 

 

Beim Wasserlauf kann man reduzieren. Bei der Informationsverarbeitung heißt die Lösung: Filtern. Oben ein Sieb, unten einen Trichter anbringen. 

„Jetzt bringen Sie die Sache `mal auf den Punkt“. Das bedeutet, alles Überflüssige wegzulassen, den Kern der Sache herausholen. Es gibt zahlreiche Umschreibungen für diese Methode. Und sie ist wichtiger denn je.
Das Wissen der Menschheit hat in den letzten zwanzig Jahren mehr zugenommen als in den letzten zwanzigtausend Jahren zusammen, so schätzen die einschlägigen wissenschaftlichen Studien. Für die Dinge, die man selbst braucht, ist ein Sieb notwendig. Dieses nennt sich „abstrahieren“. Was versteht man darunter?

Update Juni 2017 Unterscheidungsmerkmale

Den Text dazu finden Sie weiter unten.

Abstrakt - die Wortbedeutung

Man kennt diese Filmszenen, in denen der Protagonist stolz in seiner Bibliothek sitzt und die Bücher sich meterhoch aneinanderreihen. Mancher Zuschauer möchte in dieser Szene zu einem bestimmten Buch gehen und den Mann im Sessel fragen: Können Sie mir mit einem Satz sagen, was in diesem Buch steht?“.

Genau dies kennzeichnet das Abstrakte. Es kommt auf das Wesentliche an. Heute mehr denn je, weil die virtuelle Bibliothek des täglichen Wissens in den Himmel und darüber hinaus wächst.

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Information

Information bedeutet zielgerichtetes Wissen. Der moderne Mensch muss wissen, wie man ein Smartphone bedient, Reisen im Internet optional ordert, und wie er am Fahrkartenautomaten sein Ticket zieht.
Diese Informationen kurz, knapp und knackig für den Verbraucher auf den Punkt zu bringen ist eine Kunst. Und wer diese Kunst beherrscht, der hat eine Wettbewerbsvorteil. 

Erst einmal können die potenziellen Konsumenten überhaupt das Wissen zur Handhabung nutzen. Zweitens geht ein komprimierter Wissenstransfer schneller vonstatten. Zeit ist Geld, alle sind busy – es sind abstrakte Infos in der Bedienung des Produkts gefragt, bitte schön.

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Die Kunst – verhunzt?

Viele Menschen verknüpfen das Adjektiv abstrakt unwillkürlich mit dem Substantiv Kunst. In diesem Punkt haben die Promoter der darstellenden Künste einen Super-Job gemacht. Was bedeutet, auf die Schnelle gesagt, abstrakte Kunst? Weglassen.

Weglassen

Auf dem linken Bild erkennt man ein Gewimmel von Kriegern, das eine Schlacht darstellt. Der Mann vorne rechts fällt eventuell auf, weil er isoliert dargestellt wird. Der Rest des Bildes ufert in 100e von Einzelheiten aus, die der Betrachter nur mit sehr viel Aufmerksamkeit, und entsprechendem Zeitaufwand, wahrnehmen und dekodieren kann.

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Die Alexanderschlacht - Gewimmel ohne konkrete Informationen

Auf dem rechten Bild ist eine Figur mit gekreuzten Armen dargestellt. Jeder weiß sofort: aha, da Vinci, der Mann im Kreis. Die Figur ist „entkleidet“ dargestellt, alles Überflüssige wird weggelassen, abstrahiert. Der Künstler stellt seine Botschaft „Hier ist der da Vinci-Mann“ in den Mittelpunkt. Der Betrachter kann sich darauf konzentrieren.

 

 

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Der DaVinci mann - "auf den Punkt gebracht"

Unterscheidungsmerkmale

Ein Überfluss an Eindrücken lässt sich an jedem beliebigen Ort der Welt finden. Aber nicht jeder Touristenrummel in New york bedeutet eine Informationsüberflutung. Beim gemeinten Begriff der Informationsüberflutung geht es um das zielgerichtete Angebot an Informationen für eine bestimmte Arbeit. Es geht um die Fähigkeit zur Entscheidungsfindung. Insofern ist es wichtig, zwischen einer Reizüberflutung und einer Informationsüberflutung zu unterscheiden.

Konzentration

Heutzutage muss man sich auf die wirklich wichtigen Informationen konzentrieren, um die message zu wiederholen. Sonst geht der Mensch im Medienrummel und im Informationsdschungel möglicherweise verloren.

 

Für die Erwachsenen gilt es: Augen auf und weiterlernen. Wie nehme ich effektiver Informationen auf? 

Für die Kinder könnte ein findiger Lehrplaner die Kunst des konzentrierten Wissenserwerbs in einen sinnvollen Kontext einbringen, etwa in das Fach Medienlehre. Man kann natürlich auch weiterhin die Liste der Cäsaren auswendig lernen. Nur lässt sich mit diesem Wissen kein Fahrkartenautomat in der Bahnhofshalle bedienen.

Was kann man besser machen? Bei der Entwicklung der Programme können die Hersteller zum Beispiel einige der späteren Benutzer hinzuziehen. Die Art und Weise, wie der Reisende den Automaten bedienen will könnte dann in den grundlegenden Programm-Ablaufplan mit einfließen. Das wäre einmal eine Maßnahme.

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Dichter und Denker

Die Erkenntnisse zum Abstrahieren sind auch nicht so neu.
Schon unsere bekannten deutschen Denker haben Anno Dazumal gefordert: "Mensch, werde wesentlich".
Das nennt man heute „abstrakt“.

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