Gamification. Das Leben ist ein seltsames Spiel

Neue Begriffe können den Menschen erschlagen –oder anregen. Wer sich nicht rührt, der geht in diesem Chaos aus aktuellen Wortschöpfungen unter.
Wie reagiert man? Nachlesen, zum Beispiel den Begriff „Gamification“.

Worum geht es?
Spielerische Elemente werden vom Gaming auf andere Lebensbereiche übertragen. Was heißt das? Einfach einmal nachlesen. Hier geht es zum Text >>



Eine erste Übersicht (Klick > größer)


Ein Spielchen machen

Computerspiele sind Renner. Ob am PC, an der Konsole oder am Smartphone – überall wird gespielt. Spielen macht Spaß. Der Spieler spielt aus eigenem Antrieb, allein oder in einer Community.
Was denken sich die Arbeitgeber? Es wäre schön, wenn die Beschäftigten mit der gleichen Freude und Energie bei der Arbeit wären wie sie am Computer spielen. Was denken sich die Produktanbieter? Es wäre schön, wenn der Konsument meine Produkte spielerisch erkunden und dann ganz besonders schätzen würde.
 Gedacht, getan – der Ausdruck „Gamification“ war geboren. 


Öfter mal `was Neues

Ein Computer Game hat Regeln, ein Ziel, Werkzeuge um dorthin zu kommen – und es hat Belohnungselemente.
Motivation – darum geht es. Mit dem Einsatz typischer Spielelemente soll der Mensch nun auch bei seiner Alltags-Tätigkeit wie im Spiel belohnt werden. Der Sieger kommt auf das Treppchen.

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Spiel oder kein Spiel …

Der spielerische Ansatz als Lebenselement ist auch nicht neu. Schon Shakespeare versuchte uns das „life is a game“ Konzept zu verkaufen. Er meinte damit das Leben als Bühnenstück mit einem unsichtbaren Regisseur im Hintergrund. Ein Bühnenstück hat allerdings auch ein Programm, Requisiten und Regeln. Da ist der gedankliche Sprung zum Gamification Ansatz nicht zu weit.



"Gamification" als Suchbegriff in Google Trends

Wie aktuell ist nun dieser Begriff in der Suchmaschine von Google? International findet sich eine bemerkenswerte Resonanz in den Bereichen für 

Lernsysteme und in der Pädagogik. Der Begriff „Instruktionsdesign“ taucht auf. Auch in Deutschland hat die Pädagogik am spielerischen Lernkonzept scheinbar Gefallen gefunden. Die Software-Branche erscheint ebenfalls auf dem Spielfeld. Es wird über den Einsatz von Gamification Tools bei der Software-Entwicklung diskutiert.

Online Büchermärkte bieten eine umfassende Reihe an Buchtiteln zum spielerischen Erlenen von Sprachen und Programmiermethoden an. Lernen kann ein Kinderspiel sein. Unter Verwendung von Apps und ähnlichen digitalen Tools heißt das diese Art zu lernen nun „game-based learning“.

Spielerische Elemente - Was zählt dazu?

  • Fortschrittsbalken. Das kennt man aus den Simulationen. Grün zeigt, dass das Püppchen noch gut in Schuss ist. Rot heißt, es geht dem Ende zu. Der Spieler muss sich sputen, um neue „Nahrung“ zu erwerben.
  • Ranglisten. Wo stehe ich im Spiel? Erste Stelle oder 10. Rang? Ranglisten spornen an. Entweder will der Gamer seinen ersten Platz verteidigen. Oder er strengt sich ordentlich an, damit er im Ranking weiter nach oben kommt.
  • Erfahrungspunkte. Im Laufe des Spieles bekommt man bessere Waffen oder Werkzeuge (sofern man überlebt). Mit einem dicken Schwert kann man sich gegen die digitalen Feinde besser verteidigen als mit einem Holzstock. Der Spieler nimmt diese Erfahrung mit in das tägliche Leben, nämlich: Erfahrung tut gut.
  • Auszeichnungen. Lob ist ein leichter Ton. Erst einmal kann ein virtuelles Lob ziemlich stolz machen. Und dazu gibt es im gleichen Zuge bessere Waffe, mehr Geld, Güter, Ländereien und so weiter. Auszeichnungen motivieren ungemein.

Wie im richtigen Leben

Wie setzen Produktanbieter dieses Wissen im Alltag um?

Eine Auswahl.

  • Fortschrittsbalken. Die besten Teilnehmer werden in der Top Kategorie aufgeführt. Wer es dorthin schafft, der bekommt besonders hohe Punkte, cents pro Wort usw.
  • Ranglisten. Wer hat die meisten User, Posts oder Follower. Ob Politiker, Stars oder Sportler – sie alle wissen gern, wie viele Fans ihnen folgen.
  • Auszeichnungen. Sind Sie schon ein Klasse A User? Wenn ja, dann bekommen Sie das nächste Angebot exklusiv vor den Standard Usern zugestellt. Oder noch besser: diesen speziellen Beitrag können nur ausgewählte User der Extraklasse lesen.

 

 


Mehr als ein Spiel?

Der Leser kann auch ohne fremde Hilfe seine eigenen Erfahrungen aus diversen Spielen auf beliebige Situationen im Beruf oder im Privatleben übertragen. Aber Gamification geht noch einen Schritt weiter. Es bringt den Anwender gezielt in Aktionen ein. Dazu gehören: 

  • Gruppenarbeit. Gewisse Aktivitäten lassen sich nur in der Zusammenarbeit mit anderen lösen. Diese Erfahrung aus den Gaming Communities lassen sich leicht auf die Arbeitswelt übertragen.
  • Tieferer Sinn. Wer was, was er tut und warum er es tut, der strengt sich doppelt an. Allein die Zusammenarbeit innerhalb einer Community kann schon diesen tieferen Sinn erschaffen.
  • Häppchenweise Information. Cascading information (*). Ein neuer Begriff. Der Anwender soll eine Aufgabe lösen. Er erhält aber nur bestimmte Informationen, die zur Lösung des aktuellen Bearbeitungsschrittes notwendig sind. Kein überflüssiges Detail lenkt ihn ab.
  • Transparenz. Alle wissen, wo der Einzelne steht und auf welchem Level sich die anderen Mitglieder der Gruppe befinden. 

Gamification – Knackpunkte

Worum geht es bei der Verwendung der Elemente aus der Gamification? Es geht um die Ansprache der Gefühle. Der Stolz auf die erbrachte Leistung. Die Freude über die Mitarbeit in der Gruppe. Die Neugier auf den nächsten Arbeitsschritt (Level). Erfolgsgefühle. Spaß.

Gamification kann Leistung stimulieren, zum Beispiel durch ein Gruppenerlebnis.

Gamification eröffnet Manipulationsmöglichkeiten, zum Beispiel durch offene oder verdeckte Belohnungen.

Über keep cool und das absichtslose Tun

Wo bleibt der brave Werktätige, der seinen Dienst tut ohne lang zu überlegen? Übertriebener Ehrgeiz mit ständigem Blick auf die Ranking Liste kann auch zum Desaster führen, so warnen die Weisen seit Jahrtausenden. Gamification reizt, aber -  keine Rose ohne Dornen.



Fazit. Was bleibt? Anreize zum Nachdenken. Wo habe ich so etwas wie Gamification schon erlebt, auch außerhalb des Bildschirmes? Was kann ich damit sonst noch Positives anfangen? Gamification - da ist noch mehr drin. Das Thema lässt sich fortsetzen.

(*) Textquelle:
Wikipedia/ Gamification
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