Die diskrete Faszination der Pflanzenkunde

Was passiert, wenn eine Botanikerin nach Brasilien reist? Sie entdeckt 500 neue Grasarten (*). Der Hinweis im digitalen Lexikon hat Rolf neugierig gemacht. Normalerweise geht er ohne nachzudenken über den kurzen Grassaum an der Autobahnraststätte, um den Weg abzukürzen. Buddhistische Mönche segnen mitunter die Fußsohlen, weil sie unbeabsichtigt kleine Tier auf der Wanderschaft zertreten könnten. Aber das normale Gras am Wegrand oder auf der Wiese ist sonst eher kein Thema für eine Beschäftigung am Samstagmorgen.
Bis heute. Die Notiz über die amerikanische Forscherin hat Rolf neugierig gemacht. 

Der scheue grüne Eyecatcher

Mary Agnes Chase lebte ungefähr von 1860 bis 1960. Sie interessierte sich für Gras aufgrund einer Bibelstelle (*). Vor hundert Jahren hatte sie also in einem Monat 500 neue Grassorten in Brasilien entdeckt. 500 Sorten ist eine Menge Holz. Anscheinend interessiert die Menschheit sich bis dahin nicht so sehr um die Vielfalt der kleinen grünen Blätter unter ihren Füßen. 


Mit der Biologie auf Du

Grasforscher heißen Agrostologen (*). Das Wort kommt aus dem Griechischen und hat eine identische Bedeutung.
Gras ist eine Pflanze. Sie ist krautig, meist unscheinbar und kommt in langen, dünnen Blättern daher (*). Unscheinbare Pflanzen bringen keinen Kick wie die Orchidee oder fleischfressende Monster. Andererseits hätten Steakliebhaber ihre liebe Not ohne die kleinen grünen Dinger. Das Nutzvieh lebte nämlich größtenteils von Gräsern. Gräser sind also wichtig. Frau Chase hatte unter diesem Gesichtspunkt ein Näschen für die wirklichen wichtigen Dinge des Lebens.
Die uns Laien bekannten Gräser werden in der Biologie als Süßgräser eingestuft (*). Gibt es auch Sauergräser? Nein, die nächsthöhere Klasse in der Welt der Biologen nennt Bedecktsamer als nächstrangige Oberordnung. Das will Rolf aber heute nicht weiter verfolgen.
Überraschenderweise für Rolf sind Weizen, Mais und Reis ebenfalls Gegenstand der Agrostologie. Grasforscher haben also ein weites Betätigungsfeld.

Das Herbarium

Aquarien sind beliebt. Manche Hobbysammler halten sich auch Schildkröten oder Schlangen in einem Vivarium. Die Grasmenagerie heißt Herbarium. Digitale Herbarien zeigen die Grassammlung in digitaler Form.
Die wirklich großen, echten Grassammlungen sieht der Freund der Botanik dann wieder in einem Botanischen Garten. In Berlin, Frankfurt und anderen Orten sind solche Sammlungen angelegt. Einen der größten Botanischen Gärten findet der Pflanzenfreund in New York. Hier sehen Sie ein kurzes Video.



Was bleibt?

Augen geöffnet. Rolf achtet ab heute mehr darauf, wohin er an der Autobahnraststätte seine Füße setzt.

 

 

(*) Textquellen: Wikipedia/ Mary Agnes Chase, /Agrostologie, /Gräser

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