Was ist ein Heiliger?

Das Internet ist einmalig. Der Nutzer erfährt einfach alles. Kürzlich wurden die Seherkinder von Fatima heiliggesprochen. Zuvor war der Papst zu Besuch in den USA und hat einen Priester heiliggesprochen. Es gibt also auch Heiligsprechungen in der heutigen Zeit. Jetzt will man doch einmal wissen, was dieser Begriff bedeutet.

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Heilige Namensgeber

Meistens tragen bei uns die Kirchen den Namen eines Heiligen. Man macht sich als Durchschnittsbürger gar nicht so viele Gedanken darum. Es hat halt vor langer Zeit ein Mensch in dieser Region gelebt, der war besonders fromm. Oder er wurde wegen seines Glaubens ermordet. Dann war es ein Märtyrer. Andere Personen werden auch seliggesprochen. Wobei sich dann die Frage erhebt, wer im Ranking vorn steht. Ist selig größer denn heilig oder umgekehrt?
Allein an dieser einfachen Frage könnte ein aufmerksamer Leser schon die Frage festmachen, warum die Kirche uns im Religionsunterricht nicht über solche einfachen Dinge wie die Heiligsprechung aufklärt. Sie hat es vielleicht getan, aber der Autor hat es nicht mitbekommen. Also geht man der Frage selbst nach.
Das Ergebnis bringt schon einige Überraschungen mit sich. Sind Sie neugierig?

 

Ein Wort vorneweg. Dieser Text behandelt das Thema der Heiligsprechung nur aus der Sicht des katholischen Glaubens, um den Umfang der Ausführungen im Rahmen zu halten.

Paukenschlag

Eine Heiligsprechung erfolgt auf Dekret. Der Papst bestimmt in der katholischen Kirche, wer diese „Auszeichnung“ posthum verliehen bekommt. Dies beinhaltet die Notwendigkeit, dass der Betreffende bereits verstorben ist. Wir haben im Moment keinen lebenden Heiligen unter uns. Warum nicht?
Dies ist eine vielleicht überraschende, aber auch interessante Frage. Sie regt das laterale Denkvermögen an. Damit man im Text weiterkommt, muss man also hinterfragen, was einen Heiligen ausmacht.

Closer to Gott

Die Nähe zu Gott gibt in unserem Glaubenssystem den Ausschlag bei der  Heiligsprechung (*). Ein solcher Mensch war also besonders religiös oder er hat sich vorbildhaft verhalten. Dies bezeichnet die Moraltheologen dann als ethisches Verhalten. Die Aussage kann auch verwirren. Der Normalbürger verbindet den Heiligen immer mit besonderen Taten, die diesen in den Himmel befördert haben. Können nun besonders anständige Menschen abseits des kirchlichen Bereiches auch zu Heiligen ernannt werden?

Die geschilderte Verwirrung des Autors findet anscheinend sein Echo bei den Religionswissenschaftlern. Der Heilige ist dort nicht eindeutig definiert (1).  Machen wir an dieser Stelle Schluss? Ist die Religion ein Buch mit 77 Siegeln, die man besser unter Verschluss hält? 

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Kommt nur eine Heiliger in den Himmel?

Was ist Heiligkeit?

Der christliche Kanon (*) spricht nicht von „heilig“ als Adjektiv oder als Adverb. Der Ausdruck Heiligkeit, als Substantiv, ist in der christlichen Lehre doppelt besetzt. Nur der liebe Gott selbst ist das Heilige. Allerdings geht es so einfach auch nicht. Gott sitzt nämlich nicht nur im Himmel und schaut sich die Menschlein unten an. Dies wäre ein transzendenter, statischer Gott (*). Der Gott ist dynamisch. Er greift in das irdische Geschehen ein, und er packt zu. In ihm lebt eine sogenannte „immanente Dynamik“.

Der Mensch weiß, dass er denkt und Gott lenkt. Was hat diese Erkenntnis der göttlichen Dynamik unmittelbar mit der Heiligsprechung verschiedener Menschen zu tun?

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Gottes immanente Dynamik zeigt sich in vielfältiger Weise

Die Gnade der Anständigkeit

Die Erklärung läuft darauf hinaus, dass alle Menschen göttliche Gnade erfahren haben. Gewisse menschliche Individuen sind damit allerdings besonders gut umgegangen. Die religionswissenschaftliche Herleitung zum Erreichen dieser Gnade würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. In der Kürze gesagt ist die göttliche Gnade durch die Erscheinung des Christus auf die Menschen generell übergegangen.

In der Zusammenfassung lässt sich feststellen: es gibt Menschen mit besonderen religiösen und ethischen Fähigkeiten und Verhaltensweisen. Diese werden Heilige genannt. Der Papst entscheidet in unserem Glaubenssystem, welche verstorbene Person dazugehört.

Zurzeit gibt es ungefähr 10.000 heilige und Selige (*). Als aktuell bekannteste Heilige wird in den Medien Mutter Teresa genannt. Auch Hildegard von Bingen ist eine Heilige.

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Die Basilika Unserer Lieben Frau am Wallfahrtsort Fatima - ein heiliger Ort

Märtyrer und Dombauherren

Und der Selige? Märtyrer werden in der Regel seliggesprochen. Oder es muss um ihn oder sie herum ein Wunder geschehen sein. Eine Ausnahme aus dieser Regel scheint der spanische Architekt Antoni Gaudi zu sein. Er hatte die Kathedrale Sagrada Familia in Barcelona gebaut und wurde deshalb selig gesprochen.

Üb immer Treu und Redlichkeit

Die geschilderte Gnade steckt nach christlicher Lehre in jedem Einzelnen, sofern er ein getaufter Christ ist.
Jeder (Christ) ist ein potenzieller Heiliger. Dies ist die interessante, vielleicht auch für manchen auch verlockende, Erkenntnis dieses kurzen Artikels.

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