Laokoon, das Latinum und die Spiralform

… alles lateral

Im Internet taucht der Begriff „Torsionsfeld“ auf. Mancher Leser, auch wenn er Ü18 ist, hat dieses Wort noch nie gelesen. Ein kurzer Blick auf Google führt zu allerlei pseudowissenschaftlichen Erklärungen über Vakuumfelder und verwandte Themen. Das muss man heute nicht unbedingt lesen.

Dann taucht der Begriff Torsion als Wikipedia Eintrag auf. Die Neugier siegt. Man wagt noch einen Versuch. Und, siehe da, es geht um Drehungen.
In der Geometrie dreht sich einiges, die Schnecke hat ein gewundenes Gehäuse, und in der Architektur gibt es eine „figura serpentinata“.
Das ist ein toller Ausdruck. Den schauen wir uns heute an.

Die Laokoon-Gruppe als Triptychon digital gestaltet.
Die Laokoon-Gruppe als Triptychon digital gestaltet.

Update Dezember 2017. Der Neandertaler und die Spirale

Update Dezember 2017. Laokoon im Internet.

Die Texte zu den Updates finden Sie weiter unten im Artikel.


Alles windet sich

Figura serpentinata. Es geht um Spiralmotive in der Kunst. Auf der Wikipedia Seite ist rechts die Laokoon-Gruppe abgebildet. Wenn ein junger Mensch Lateinunterricht genossen hat, dann kennt er diese Abbildung. Es gibt wohl kein Lateinbuch, das nicht die Laokoon-Gruppe zeigt.
Im Alter von 13 oder 14 Jahren interessiert diese Darstellung kaum einen Menschen. Jetzt ist sie wieder da. Der Leser kann in diesem Moment ein Stück unverarbeiteter Vergangenheit aufarbeiten.
Aber der Clou bei diesem Thema ist der Begriff, der sich aus dem Laokoon Thema entwickeln wird. Es geht um die Spiralform. Und darauf will der vorliegende Text hinaus.

Anzeige



Kurz und knapp – die Story von Laokoon.

Die Griechen können Troja nicht erobern. Sie bauen ein Holzpferd und verstecken einige Krieger darin. Laokoon ist ein Priester von Troja (*). Er durchschaut die List, aber er kann sich nicht durchsetzen. Götter, die den Griechen wohl gesonnen sind, schicken Schlangen. Diese töten die Söhne des Laokoon und in einigen Varianten den Laokoon gleich mit. Das Holzpferd wird in die Stadt Troja gezogen. Die Trojaner verlieren.

Es gibt dann noch zwei interessante Bemerkungen zu den Interpretationen der Laokoon Geschichte. Zahlreiche Alt-Philologen haben sich unendlich bemüht diese Geschichte zu interpretieren. Die kann man den Damen und Herren hoch anrechnen. Denn sie bemühen sich, das griechische und römische Erbe über Tugend und Laster, über Götter und Opfer und ähnliche Themenbereiche den Menschen der Gegenwart nahezubringen. Hut ab.

Zum Kernpunkt. Laokoon und die Spiralform.

Für neugierige Menschen ist die Spirale eine ungemein interessante Figur. Allein beim Dübeln für das neue Bild im Wohnzimmer hat der Alltagsmensch schon einen direkten Kontakt mit diesem technischen Begriff.

Sobald der Jagdinstinkt für die Suche nach Spiralformen geweckt ist, tut sich ein Ozean an Alltagseindrücken auf.  


Hier ist eine erste Übersicht >>

  • Technik:Turbine Windhose Wankelmotor Spule Elektrotechnik Drillbohrer Zentrifuge Heizungsspirale Klammeraffe
    Schallplatte 
  • Natur: Sonnenblume Tannenzapfen Wasserstrudel Wirbel Spinnennetze sind spiralig aufgebaut. Die Knospe entrollt sich spiralförmig.
  • Tierwelt: Ammonshorn Schneckenhaus Hörschnecke Geweih Widderhorn Seepferdchen 
  • Mensch: Locke Hörmuschel
  • Physik: Turbulenz Galaxie schwarzes Loch Doppelspirale Fibonacci-Zahl 
  •  Architektur und Kunst: Wendeltreppe Pirouette Walzer Füllhorn Wunderhorn Laokoon 


Über die Rubrik Architektur und Kunst führt der Weg zurück zur Laokoon Gruppe. Die figura serpentina hat es also den Künstlern jener Zeit, um das 16. Jahrhundert, angetan – und dem Hobbyschreiber der Gegenwart ebenso.

(Updates s. weiter unten).

 

(*) Textquellen:
Wikipedia/ Torsion, /Laokoon

Ähnliche Texte auf dieser Webseite:

Baskerville und der Neonhund

Anzeige



Laokoon im Internet.

Bei Google Trends ist der Begriff Laokoon derzeit nicht sehr aktuell. Dies kann auch nicht sehr überraschen. Das Thema scheint hauptsächlich den Lateinbüchern nahezuliegen. Auch die Laokoon-Gruppe bietet der Suche bei Google Trends eine nicht ausreichende Menge an Daten.
Bei der originären Google Suche nach „laokoon“ erscheinen immerhin fast eine Million Suchbegriffe. Die meisten Einträge drehen sich um Begriffe wie „Skulptur“, um die Uffizien und um Michelangelo.
Die Suche nach „figura serpentinata“ löst ebenfalls kein Beben in der Suchmaschine aus.
Aber die Spiralform hat es wieder in sich. Industrielle Produkte wie die Glühbirne, die Muschel in der Biologie und die DNS-Spirale versprechen eine saftige Weide für den Freund des lateralen Denkens.

Jetzt ist reichlich Input vorhanden. Mal sehen, welcher Begriff aus der Ideenkiste als nächster neugierig macht.


Der Neandertaler und die Spirale

Bei der Erfindung der Spiralform haben wir Abendländer noch einmal Glück gehabt. Die meisten technischen Neuerungen werden eher mit den Kulturen im mittleren Orient oder im fernen China in Verbindung gebracht. Die Spiralform ist jedoch schon bei den frühen europäischen Kulturen gefunden worden.
Über die Interpretation der Symbolik können sich die Forscher noch nicht einig werden. Die Form wird mit dem Gedanken an die Unendlichkeit in Verbindung gebracht. Auch als Zeichen zur Abwehr böser Geister wird diese Form interpretiert. Schließlich könnte sie ein schlichtes Stammeszeichen darstellen (*). Als das „Wirbelrad“ späterer Künstler soll die Spirale die Sonne repräsentieren.

Nach einigen Jahrtausenden künstlerischer Funkstille ließen die Barockzeit und später der Jugendstil die Spiralform wieder aufleben.

Ein italienischer Gelehrter mit dem Künstlernamen Fibonacci hat sich um das Jahr 1200 mit der Spiralform als mathematische Aufgabe beschäftigt. In der Folge fanden sich Anwendungen vor allem in der Architektur.

Die archimedische Schraube, Pumpwerke und antike Bohrer zeigen, dass die grundlegende Funktionsweise in der Technik schon seit Jahrtausenden erprobt wurde. Moderne Entwicklungen im Turbinen bau und – in der Gentechnik – greifen dabei auf teilweise uraltes Wissen zurück.

Textquelle: Wikipedia/ Spiralform