Laokoon, das Latinum und die Spiralform

… alles dreht sich

Im Internet taucht der Begriff „Torsionsfeld“ auf. Mancher Leser, auch wenn er Ü18 ist, hat dieses Wort noch nie gelesen. Ein kurzer Blick auf Google führt zu allerlei pseudowissenschaftlichen Erklärungen über Vakuumfelder und verwandte Themen. Das muss man heute nicht unbedingt lesen.

Dann taucht der Begriff Torsion als Wikipedia Eintrag auf. Die Neugier siegt. Man wagt noch einen Versuch. Und, siehe da, es geht um Drehungen.
In der Geometrie dreht sich einiges, die Schnecke hat ein gewundenes Gehäuse, und in der Architektur gibt es eine „figura serpentinata“.
Das ist ein toller Ausdruck. Den schauen wir uns heute an.

Die Laokoon-Gruppe als Triptychon digital gestaltet.
Die Laokoon-Gruppe als Triptychon digital gestaltet.

Updates

Juni 2018. Das Prinzip der Schiffsschraube

April 2018. Der Weltenschöpfer mit dem Schneckenhorn
Dezember 2017. Der Neandertaler und die Spirale
Dezember 2017. Laokoon als Thema im Internet

 

Die Texte zu den Updates finden Sie am Ende des Artikels.


Die figura serpentinata

Es geht um Spiralmotive in der Kunst. Auf der Wikipedia Seite ist rechts die Laokoon-Gruppe abgebildet. Wenn ein junger Mensch Lateinunterricht genossen hat, dann kennt er diese Abbildung. Es gibt wohl kein Lateinbuch, das nicht die Laokoon-Gruppe zeigt.
Im Alter von 13 oder 14 Jahren interessiert diese Darstellung kaum einen Menschen. Jetzt ist sie wieder da. Der Leser kann in diesem Moment ein Stück unverarbeiteter Vergangenheit aufarbeiten.

Aber der Clou bei diesem Thema ist der Begriff, der sich aus dem Laokoon Thema entwickeln wird. Es geht um die Spiralform. Und darauf will der vorliegende Text hinaus.

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Kurz und knapp – die Story von Laokoon.

Die Griechen können Troja nicht erobern. Sie bauen ein Holzpferd und verstecken einige Krieger darin. Laokoon ist ein Priester von Troja (*). Er durchschaut die List, aber er kann sich nicht durchsetzen. Götter, die den Griechen wohl gesonnen sind, schicken Schlangen. Diese töten die Söhne des Laokoon und in einigen Varianten den Laokoon gleich mit. Das Holzpferd wird in die Stadt Troja gezogen. Die Trojaner verlieren.

Es gibt dann noch zwei interessante Bemerkungen zu den Interpretationen der Laokoon Geschichte. Zahlreiche Alt-Philologen haben sich unendlich bemüht, diese Geschichte zu interpretieren. Dies kann man den Damen und Herren hoch anrechnen. Denn sie bemühen sich, das griechische und römische Erbe über Tugend und Laster, über Götter und Opfer und ähnliche Themenbereiche den Menschen der Gegenwart nahe zu bringen. Hut ab.

Zum Kernpunkt. Laokoon und die Spiralform.

Für neugierige Menschen ist die Spirale eine ungemein interessante Figur. Allein beim Dübeln für das neue Bild im Wohnzimmer hat der Alltagsmensch schon einen direkten Kontakt mit diesem technischen Begriff.

Sobald der Jagdinstinkt für die Suche nach Spiralformen geweckt ist, tut sich ein Ozean an Alltagseindrücken auf.  


Hier ist eine erste Übersicht >>

  • Technik:Turbine Windhose Wankelmotor Spule Elektrotechnik Drillbohrer Zentrifuge Heizungsspirale Klammeraffe
    Schallplatte 
  • Natur: Sonnenblume Tannenzapfen Wasserstrudel Wirbel Spinnennetze sind spiralig aufgebaut. Die Knospe entrollt sich spiralförmig.
  • Tierwelt: Ammonshorn Schneckenhaus Hörschnecke Geweih Widderhorn Seepferdchen 
  • Mensch: Locke Hörmuschel
  • Physik: Turbulenz Galaxie schwarzes Loch Doppelspirale Fibonacci-Zahl 
  •  Architektur und Kunst: Wendeltreppe Pirouette Walzer Füllhorn Wunderhorn Laokoon 


Über die Rubrik Architektur und Kunst führt der Weg zurück zur Laokoon Gruppe. Die figura serpentina hat es also den Künstlern jener Zeit, um das 16. Jahrhundert, angetan – und dem Hobbyschreiber der Gegenwart ebenso.

(Updates s. weiter unten).

 

(*) Textquellen:
Wikipedia/ Torsion, /Laokoon

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Laokoon im Internet.

Bei Google Trends ist der Begriff Laokoon derzeit nicht sehr aktuell. Dies kann auch nicht sehr überraschen. Das Thema scheint hauptsächlich den Autoren von Lateinbüchern nahe zu liegen. Auch die Laokoon-Gruppe bietet der Suche bei Google Trends eine nicht ausreichende Menge an Daten.
Bei der originären Google Suche nach „laokoon“ erscheinen immerhin fast eine Million Suchbegriffe. Die meisten Einträge drehen sich um Begriffe wie „Skulptur“, um die Uffizien und um Michelangelo.
Die Suche nach „figura serpentinata“ löst ebenfalls kein Beben in der Suchmaschine aus.
Aber die Spiralform hat es wieder in sich. Industrielle Produkte wie die Glühbirne, die Muschel in der Biologie und die DNS-Spirale versprechen eine saftige Weide für den Freund des lateralen Denkens.

Jetzt ist reichlich Input vorhanden. Mal sehen, welcher Begriff aus der Ideenkiste als nächster neugierig macht.


Der Neandertaler und die Spirale

Bei der Erfindung der Spiralform haben wir Abendländer noch einmal Glück gehabt. Die meisten technischen Neuerungen werden eher mit den Kulturen im mittleren Orient oder im fernen China in Verbindung gebracht. Die Spiralform ist jedoch schon bei den frühen europäischen Kulturen gefunden worden.
Über die Interpretation der Symbolik können sich die Forscher noch nicht einig werden. Die Form wird mit dem Gedanken an die Unendlichkeit in Verbindung gebracht. Auch als Zeichen zur Abwehr böser Geister wird diese Form interpretiert. Schließlich könnte sie ein schlichtes Stammeszeichen darstellen (*). Als das „Wirbelrad“ späterer Künstler soll die Spirale die Sonne repräsentieren.

Nach einigen Jahrtausenden künstlerischer Funkstille ließen die Barockzeit und später der Jugendstil die Spiralform wieder aufleben.

Ein italienischer Gelehrter mit dem Künstlernamen Fibonacci hat sich um das Jahr 1200 mit der Spiralform als mathematische Aufgabe beschäftigt. In der Folge fanden sich Anwendungen vor allem in der Architektur.

Die archimedische Schraube, Pumpwerke und antike Bohrer zeigen, dass die grundlegende Funktionsweise in der Technik schon seit Jahrtausenden erprobt wurde. Moderne Entwicklungen im Turbinen bau und – in der Gentechnik – greifen dabei auf teilweise uraltes Wissen zurück.

Textquelle: Wikipedia/ Spiralform



Der Weltenschöpfer mit dem Schneckenhorn

Die Inder sind einfallsreiche Erfinder in Göttergestalten.
Eine beliebte Darstellung des Schöpfungsvorganges zeigt einen Gott namens Narayana mit einem Schneckenhorn. Die Vorrichtungen weisen eine Spiralform auf, sie passen also zum Thema Laokoon und die Spiralform. Gibt es Beziehungen, die uns im Westen verständlich sein können?

Im Lexikon Wikipedia wird das Schneckenhorn als das älteste bekannte Trompeteninstrument der Welt bezeichnet (*). Ein interessierter Leser kann sogleich an die Erzählungen denken, nach denen die Welt aus einem Urklang entstanden sein soll. Hat der Schöpfer bei der Erschaffung der Welt durch ein Schneckenhorn posaunt? Ist auf diese Weise der Urknall ausgelöst worden?

Das Schneckenhorn wird als eine Form der Naturtrompete bezeichnet (*). Und diese erzeugen die Naturtonreihe. Was ist das nun wieder?
Es handelt sich um Frequenzen oder Schwingungen, die ohne eine Manipulation der sogenannten schwingenden Luftsäule erzeugt werden (*). Der weitere Text geht dann in die Feinheiten der Tonerzeugung über.

So oder ähnlich hörte sich möglicherweise der Urknall an: 


Zurück zum Schöpfergott Narayana. er ist eine dem Pan ähnlichen Figur der indischen Mythologie.
Es findet sich eine Spiralform bei der Schneckenhorn und ebenso eine Spiralform in der Laokoon Statue.
Aber so recht wollen die Beziehungen noch nicht zusammenpassen.

(Fortsetzung folgt)

 

(*) Textquellen:
Wikipedia/ Narayana, /Schneckenhorn, /Naturtrompete


Das Prinzip der Schiffsschraube

Das Spiralmotiv hat auch seinen Einzug in die moderne Ingenieurs-kunst gefunden. Die Schiffsschraube kann an die figura serpentina in der Symbolfigur des Laokoon erinnern.



Der Pokal der Fußball-Weltmeisterschaft ruht ebenfalls auf einem spiralig gedrehten Untersatz. Alles dreht sich zur WM-Zeit um den Fußball.