Schwanensee im Weltall

… alles lateral

Der Raumfrachter „Cygnus“ hat abgehoben. Nicht jeder Leser geht dieser Kurznachricht in den Medien nach. Außer – er fragt sich, was der Name Cygnus bedeuten soll. Rolf stellt sich diese Frage.

Und schon sitzt er mitten drin – in einem Gemenge aus griechischer Mythologie, aus Frau Leda und Herrn Zeus, und mit dem Gedanken an ein Werk namens „Schwanensee“. Wie kommen die losen Enden zusammen? Mal sehen ...

Update Juli 2018. Leda, ein Schwan, zwei Eier und lauter Fragezeichen.

Den Text zum Update finden Sie am Ende des Artikels.



Mit schwant etwas

Cygnus ist das griechische Wort für „Schwan“. Der Schwan ist ein Sternbild mit hohen Lichtwerten, und deshalb ist er offenbar bei den Astronomen sehr beliebt (*). Fährt der Raumfrachter jetzt genau dorthin, und wenn ja, was sucht er dort?
Die finale Destination des Raumschiffes ist jedoch die Raumstation ISS. Warum wurde der Transporter dann auf den Namen Schwan getauft?

Wikipedia weiß Bescheid. Cygnus ist einmal die biologische Bezeichnung für die Gattung der Schwäne. Diese Betrachtung soll im Moment außer Acht gelassen werden.
In der Mythologie tummeln sich Schwäne in großer Zahl. Die NASA hat mitunter eine Vorliebe für mythologische Namensvergebung. Rolf will in diesem Fall an der Schnitzeljagd teilnehmen.


Was wir wissen bzw. nicht wissen

  • Der Schwan im Sternbild ist sehr busy. Er wird nämlich als fliegender Schwan wahrgenommen. Er ruht also nicht in majestätischer Pose auf der Oberfläche eines glatten, idyllischen Sees. 
  • Auch sein erzählerisches Pendant war sehr aktiv. Zeus, der Obergott, verkleidete sich der Sage nach gern in einen Schwan, um den Damen nachzustellen. War das die Geschichte mit Frau Leda? 
  • Damit nicht genug, wird das Sternbild noch mit diversen griechischen Göttergestalten wie Phaeton und mit trojanischen Helden in Verbindung gebracht. Diese Details will im Zusammenhang mit einem Raumkreuzer nun nicht jeder Leser unbedingt wissen.

The Quest

Tatsache ist, dass die NASA wieder einmal voll in die Trickkiste der Quiz Designer gegriffen hat. Wie kommt man auf der Suche nach dem Rätsel des Cygnus weiter?

Der Cygnus fliegt gar nicht so weit. Er dockt an der Raumstation ISS an. Das liest sich zuerst ein bisschen enttäuschend. Kein Vordringen in die Unendlichkeit des Universums, kein Entdeckungen vom eisigen Saturnmond Enceladus mit Saurier unter der Eisoberfläche? Nein.
Aber kalt wird es trotzdem.

Aus der Praxis für die Praxis

An Bord des Raumschiffes befindet sich wohl ein Speziallabor, in dem die „kälteste Punkt“ im All geschaffen werden soll. Wie und warum?
Die Ingenieure wollen dort ein Kondensat erschaffen. Zwei Wissenschaftler, Bose und Einstein, haben schon vor etwa einhundert Jahren der Kälte eine besondere Eigenschaft vorausgesagt. Bei extremen Temperaturen sinkt der Reibungswiderstand in einem Leiter. Die Atome fließen entsprechend schneller. Der erstaunte Normalbürger liest von Quantenobjekten, Bosonen und derartigen spukhaften Merkwürdigkeiten (*).
Auf den Punkt gebracht: was soll dabei herauskommen?
Ein Supraleiter. Ein Atomlaser. Wow.

Was stellen die Leute mit einem solchen Atomlaser an?
Man will damit Nanostrukturen erzeugen. Und man will sehr präzise Messungen vornehmen. Ein deutscher Wissenschaftler namens Wolfgang Ketterle hat auch schon einmal einen Atomlaser konstruiert, so liest man (*). Dafür erhielt er zusammen mit zwei anderen Herren im Jahr 2001 den Physik-Nobelpreis. Sachen gibt es, die erfährt man so nicht in den Schlagzeilen.

Cygnus transportiert also ein Labor in den Weltraum, mit dem über sehr kalte Temperaturen ein Atomlaser hergestellt werden soll. Bei diesem Thema kann man am Ball bleiben. Vielleicht ergibt sich einmal ein praktischer Nutzen im Alltag.

Die Bedeutung des Schwans als Namensgeber für einen Raumtransporter bleibt im Moment noch offen. Aber Cygnus wird noch andere Lasten in das All transportieren. Vielleicht geht dem Autor später noch ein Licht auf.


P.S. Wie war die Geschichte mit Frau Leda und dem Schwanensee? Da muss man später einmal nachlesen. Atomphysik ist schon anstrengend genug.

Ein Update finden Sie weiter unten >>

 

(*) Textquellen:

Wikipedia/ Cygnus, /Schwan, /Bode-Einstein-Kondensat, 

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Update Juli 2018. Leda, ein Schwan, zwei Eier und lauter Fragezeichen

Mein lieber Schwan.

Die Geschichte mit Frau Leda lässt einen neugierigen Hobbyautor auf die Dauer natürlich nicht ruhen. Die Informationen aus dem Wikipedia Lexikon können allerdings verwirrend erscheinen.

Leda ist eine Sagengestalt. Sie war eine schöne Maid und verkehrte mit zwei Männern, nämlich mit dem Obergott Zeus und mit ihrem Ehemann. Sie gebar zwei Eier, aus denen vier Kinder schlüpften (*). Jetzt möchte man das Lexikon zuschlagen. Will ein Mensch sich wirklich den Kopf darüber zerbrechen, warum antike Schriftsteller eine menschliche Märchenfigur zwei Eier legen lassen?

Noch ein Versuch. Zwei der vier Eiergeborenen hießen Kastor und Pollux (*). Sie nahmen an der berühmten Fahrt der Argonauten teil.
Argonauten und Astronauten - da bietet sich ein lateraler Gedankensprung an.
Nach den beiden sind weiterhin zwei Sterne im Sternbild der Zwillinge benannt. Der Leser kann wieder an die Weltraumfahrten der NASA denken. Stehen die Zwillinge in einer speziellen Beziehung zum Sternbild Schwan? Die Antwort kennt nur der kundige Astronom.

Die schöne Helena wird als weiteres Kind der Vierlinge genannt (*). Helena war offenbar eine der drei Grazien. Sie wurde von Paris entführt und lieferte den Anlass für den trojanischen Krieg. Eine Beziehung "Schwan – Leda – Helena - NASA" bleibt im Moment schleierhaft.

Es bleibt die Nummer Vier, Klytämnestra. Die Geschichte ergeht sich in einem Wirrwarr um Iphigenie, Kassandra und das Orakel von Delphi (*).

Das Quiz um die Namensvergabe „Cygnus“ seitens der NASA bringt heute leider wieder nicht den erwünschten Hauptgewinn. Die griechischen Sagenerzähler haben ihre messages aus den Märchen zu sehr codiert. Aber – wir testen im Weltraum einen Atomlaser bei extremen Kältetemperaturen. Es geht immer weiter.

  

(*) Textquellen: Wikipedia/ Leda mit dem Schwan, /Diskuren, /Helena


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