Über trojanische Seepferdchen im Storytelling

Jemandem ein Seepferdchen aufbinden

  • Das Seepferdchen ist kein Pferd, sondern ein Fisch.
  • Die Trojaner haben keine Gebilde aus Lattenrosten mit Pferdekopf als Zeichen der Götter empfangen. Und schon gar kein Pferd. Ein Stier wäre ohnehin angemessener gewesen wegen des verbreiteten Stierkults zu jener Zeit. Was soll das Pferd bedeuten?
  • Pegasus hüpft fröhlich durch den Sagenhimmel. Leider können die beiden Flügelchen einen ausgewachsenen Pferderumpf nicht durch die Lüfte tragen. Also haben die Mythensucher wieder eine Denkaufgabe vor sich. 

Seepferdchen mit falschem Namen, ein trojanischer Lattenverhau und ein Jet Plane in Pferdegestalt, das aerodynamisch betrachtet nicht fliegen kann. Warum wollen die alten Geschichtenerzähler uns einen vom Pferd erzählen?


Update August 2018. Das Seepferdchen im Gehirn.

Den Text zum Update finden Sie am Ende des Artikels.


Kryptozoologie

Wer hat den Begriff Seepferdchen erfunden? Zoologen waren es – im finsteren Mittelalter. Ein ungenannter Wissenschaftler soll um das Jahr 1600 die mythologische Bezeichnung Hippocampus nach einem Seeungeheuer für dieses Tier verwendet haben (*). Wer war Hippocampus? Es war ein Fabelwesen, halb Fisch, halb Pferd. Das seltsame Zugtier pflügte die Fluten der Meere, um den Meeresgott Poseidon zu chauffieren. Konnte der Gott nicht schwimmen, oder war er zu jener Zeit nicht ganz fit?

Diese beiden Fragen lassen sich à la main nicht beantworten. Man liest nur, dass Herr Poseidon zu den zwölf Göttern des Olymp gehörte und in einem Kristallpalast auf dem Meeresboden residiert. Eine Anfrage an Google Maps bezüglich der Lokation blieb ohne Ergebnis.
Dem Poseidon war das Pferd heilig. Warum wählte er das Pferd und nicht Jonas, den Wal, oder Flipper, den Delfin? Auch hier findet der neugierige Flammarion nicht sofort eine erschöpfende Auskunft. Die Leser der vergangenen Jahrtausende mussten die Auskünfte zum Thema Hippocampus wie beschrieben wohl oder übel ohne weitere Kommentare schlucken.

Fischers Fritz

Was sagen die Zoologen der Gegenwart zum Seepferdchen? Es ist ein Fisch. Der Text aus dem Lexikon kann zu interessanten Verästelungen der Fischkunde führen (*). Allerdings will nicht jeder Seepferdchengeschichtenforscher diese Wege verfolgen.
Mit dem Schwanz halten sich die lustigen kleinen Wesen hauptsächlich an Seegras fest. Geliebt wird in einem Tanz, der spiralig ablaufen soll. Die Männer tragen die Eier aus. Die Männer haben dazu Brusttaschen, die den Leser an die Beutel beim Känguru erinnern können. 

Mamatschi, schenke mir ein Pferdchen …

Fake Stories haben eine lange Geschichte. Die Troja Story ist gut 2000 Jahre alt, und jeder Schüler rezitiert sie wie eine wissenschaftlich begründete Tatsache. Eins ist klar - Odysseus ist listig. Und die Trojaner sind so doof, dass die einen Haufen Holz mit angedeuteter Pferde-Silhouette als message aus dem n-dimensionalen Raum deuten. Die Götter sind nämlich hauptberuflich Schreiner im Raum-Zeit Kontinuum. Anschließend werden die Bewohner von Troja selbst in Jenseits befördert.

Geschichten über Pferde gibt es wie Sand am Meer, je nach Blickwinkel der Autoren. Zoologen beschäftigen sich damit. Schachspieler setzen sie als Figuren geschickt ein. Storyteller des antiken Griechenland erzählen Geschichten vom Holzpferd von Troja.

Welche Rolle spielte das Pferd in der griechischen Mythologie? Pegasos oder Pegasus war sein Name. Und – der Bursche war ein Sohn von Poseidon, dem Meeresgott. Aha, denkt sich der Leser. Hier ist eine heiße Spur.
Die Mutter von Pegasus war Medusa, die Dame mit den Schlangenhaaren. Diese wurde einst erschlagen, und aus dem Blut entstand ein – geflügeltes Pferd (*). Das leuchtet ein.

Pegasus hat das Dichten erfunden. Das geflügelte Ross ist der Urvater aller Geschichtenerzähler. Einmal aufgestampft, entsteht ein Brunnen aus dem Boden. Und aus diesem beziehen die Autoren seit jeher ihre kreativen Schreibideen. 

Das ist nett, und die Erzählungen können so weitergehen. Aber wo bleibt der Bezug zum trojanischen Pferd?
Pegasus wird mitunter als ein Symbol der Klugheit gedeutet. Wollte Homer sagen, dass die Trojaner besser überlegt hätten, bevor sie den Krieg mit den Griechen angefangen hatten? Wer weiß.

Wie kommt ein Hobbyautor auf eine solche Geschichte? Durch den Anblick eines Seepferdchen als Dekobild. Und schon tauchen nacheinander die Fragen auf.
Spaß muss sein beim Geschichtenerzählen.

 

 

(*) Textquellen: Wikipedia/ Seepferdchen, /Pegasos

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Update August 2018. Das Seepferdchen im Gehirn

Der Seepferdchenforscher kommt aus dem Staunen nicht heraus. Im Netz liest er in einen Artikel, dass die Gehirnregion namens Hippocampus eine Seepferdchenform aufweisen soll. Der Begriff Hippocampus ist dem Leser schon weiter oben im Text vorgekommen. Wo liegt der Hipppocampus? An den Schläfen, so ergeben erste Nachforschungen. Das Areal soll für Emotionen und für die Gedächtnisleistung zuständig sein.
Einen Bezug zu Troja und Poseidon muss man noch weiter suchen. 


alternate takes