Über Tagträume, Luftschlösser und die weißen Wolken

Ich schau den weißen Wolken nach. Wer hat das Lied gesungen?
Lale Andersen. Auch sie, aber die erfolgreichere Version stammt von Nana Mouskouri aus dem Jahr 1962.


Der Tagtraum – ein interessantes Thema. Lesen Sie über phantastische Literatur, fabelhafte Luftschlösser, das heimelige Wolkenkuckucksheim und weitere scheinbar angenehme Momente im Leben.
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Dream a little dream

Der Mensch lebt in drei Bewusstseinszuständen. Diese heißen Wachen, Schlafen und Träumen. Unsere asiatischen Nachbarn haben einen vierten Zustand hinzugefügt. Sie nennen ihn Turiya, einen Zustand ruhevoller Wachheit in der Meditation.

Wenn bei uns im Westen ein Mensch nicht mit voller Konzentration bei der Sache ist und auch nicht mit geschlossenen Augen träumt, dann nennen wir ihn einen Tagträumer.

Der Ausdruck ist durchaus positiv besetzt. Nana Mouskouri hat ihm eine ewiges musikalisches Denkmal gesetzt. The Lovin` Spoonful haben mit ihrem Titel „Daydream“ am Ende der Hippie-Ära noch einmal nachgelegt. 

Auch die Dichter und der Denker der Vorzeit standen dem Tagtraum in der Mehrheit wohlwollend gegenüber. Philosophen hatten offenbar schon immer Vergnügen am Phantasieren. Der französischer Philosoph Michel de Montaigne bemerkte sogar, dass sich im Philosophieren die Träume der Menschheit wiederfinden (*).

Der Satz macht Mut. Dürfen wir jetzt alle in den Tag hineinträumen?

Träumen, bis der Arzt kommt?

Der „Gedankensalat“ des Monsieur Montaigne wurde von den Bohemiens mit Genuss aufgenommen. Als träumende Müßiggänger flanierten sie über die Alleen und durch die Parks von Paris. 

Was sagen die Mediziner? Sie bezeichneten anfangs den Tagtraum auch als eine Entlastungsmethode von schmerzhaften Erinnerungen (*). Die Gegenspieler in der medizinischen Forschung setzten pathologische Aspekte dagegen. Phantastische Autoren wie E.T.A Hoffman und Edgar Alen Poe sollen ihre Tagträume bin ihren Werken umgesetzt haben. Der Tagtraum wird hier als Initialzündung zum literarischen Schaffen interpretiert.

Einige moderne Wissenschaftler sprechen von einer Bewusstseinserweiterung (*). Was ist Bewusstsein? Und wieso wird dieses durch einen Tagtraum erweitert?

Achte auf deine Gedanken

Wer bei Sinnen ist, der hat Bewusstsein. Die vollständige Wahrnehmung der Umwelt kann man in dieser Form definieren (*). Im Traum ist das Bewusstsein eingeschränkt. Der Mensch schläft. Im Tagtraum ist das Bewusstsein ebenfalls eingeschränkt. Die Reize der Umwelt werden nicht vollständig wahrgenommen. Gewisse Einflüsse werden bewusst ausgeblendet. Demnach erweitert der Tagtraum nicht das Bewusstsein.

Die asiatischen Heilslehrer sind sogar noch rigoroser in ihrer Beurteilung des Tagtraumes. Das Dösen und die bewusste Produktion von Phantasievorstellungen werden als „Trübungen des Bewusstseins“ angesehen. Tagträume können nach dieser Weltsicht sogar Leid verursachen. Wenn der Mensch sein Bewusstsein erweitern will, dann soll er es richtig machen. Das heißt, die Augen schließen, sein Mantra nehmen und meditieren. 

Freedom of choice

Und jetzt? Der eine schaut im Stadtpark den weißen Wolken nach. 

 

Der andere betreibt beim Meditations-Wochenende im Kloster spirituelles Bodybuilding.


 (*) Textquellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Tagtraum
https://de.wikipedia.org/wiki/Bewusstsein

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