Hebammenkunst und Kitsch – wer schlägt die Brücke?

... alles lateral

  • Kunst macht Spaß, solange man nicht davon leben muss.
  • Kunst kann den Geist erheben, so sagen die alten, weisen Griechen.
  • Kunst hat einen erbitterten Gegner, den Kitsch.

Ein tolles Thema. Wie kriegt man die losen Enden nun zusammen?



Über diese Brücke musst du gehn.

Das Internet ist schuld. Der User liest einen Hinweis auf der Seitenleiste zu einem Youtube Video. "Sentimental Journey" wird angepriesen, ein sanfte Melodie, gesungen von Doris Day aus den 1950er Jahren. 

Sentimentalität, was ist das? Das digitale Lexikon weiß Bescheid (*). Gefühlsduselei. Der sentimentale Mensch lässt sich erst fallen, dann hängen Er ist schließlich nicht mehr in der Lage, sich aus dieser Situation zu befreien. Sentimentalität führt zum Durchhänger. Kitsch wird als eine Spielart dieser Stimmungslage angeführt.

Zum Kitsch zählen der Schlager und auch die Flughafen Art. Nie gehört? Auch selbst nie gehört. Aber der Autor und die Leser ahnen möglicherweise schon, worum es geht  - Gipsifiguri mit lokalem Anstrich.

Und dem Autor läuft es siedend heiß den Rücken hinunter. Hat er nicht kürzlich im schönen Ostseebad Swinemünde diese Figur einer Möwe im Matrosenanzug erstanden? Und hat er diese Figur nicht daheim auf dem Fenstersims aufgestellt?

Souvenirs, Souvenirs.
Souvenirs, Souvenirs.


Souvenirs, Souvenirs

Oje, die Kultur ist wieder einmal im Eimer. Eine Möwenfigur im Matrosenlook  ist eindeutig Kitsch, und Kitsch ist der Erzfeind der Kultur.
Kultur will den Menschen erheben, so weiß man von Plato und anderen Dichtern und Denkern des klassischen griechischen Altertums. So wie die Hebamme dem neugeborenen Kind zum Leben verhilft, so bringt die Kunst den Menschen auf einen höheren geistigen Zustand.
Denn Kunst regt an. Der Betrachter soll sich seine eigenen Gedanken machen. Dabei lernt er hinzu. Neue neuronale Verbindungen entstehen. Das Gehirn wächst und mit ihm das Bewusstsein. Ein neuer Mensch, ein veränderter Mensch verlässt die Kunsthalle.


Der Kitsch als Kulturfeind

Kitsch will vom Denken abhalten. Kitsch walzt vorhandene Stereotype und Klischees beim Empfänger aus. Kitsch macht dumm. Das spirituelle Baby im homo sapiens kann nicht das Licht einer helleren Geisteswelt erblicken. 

Kitsch muss weg. Das Souvenir aus der Strandbude und der Schlager von Doris Day auf dem Youtube Channel – sie alle hindern uns am Erwachen. 



Vatta, aufstehn. Da helfen nur noch Rückzug und Einkehr. Eine kleine Heiligenfigur auf der Fensterbank des Einsiedlers ist allerdings erlaubt, als Weckruf aus dem sentimentalen Durchhänger.

A Sentimental Journey. Die  Roadmap zum Thema Hebammenkunst und Kitsch: (Klick > größer)

 




(*) Textquellen:
Wikipedia: /Sentimentalität, /Kitsch

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