Blue Velvet - der Song.

Über Mikrofone, Bing Crosby und die samtweichen Stimmen.

Schlagerfreunde lernen nie aus. An einem schönen Winterabend erinnert man sich an den Titel „Blue Velvet“. Wer hat ihn noch einmal gesungen? Schnell nachschauen. Bobby Vinton, 1963.
Und schon taucht man tief ein in die vertrauten Melodien von Bing Crosby, Frankie Boy und vielen anderen. Dies verspricht ein interessantes Thema zu werden. Hier geht es zum Text >>


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Update Januar 2018. Samt – das Doppeldecker Gewebe

Den Text zum Update finden Sie am Ende des Artikels.


Zerschmelzen

Bobby Vinton hatte den Song von den dunkelblauen Samtaugen zum Erfolg gebracht. Wegen seiner Gesangsstimme wurde er als "Crooner“ bezeichnet (*). Dies ist ein nicht alltäglicher Ausdruck. Er bedeutet tief, sanft, einschmeichelnd.

 

Gleich hinterher werden in dem Wikipedia Artikel Bing Crosby, Frank Sinatra und einige andere bekannte Sänger jener Zeit erwähnt.
Jetzt lehnt sich der Musikfreund zurück und denkt etwas nach. „Love Letters in the Sand“ von Pat Boone klang ähnlich. War Pat Boone auch ein Crooner? Und wer gehört noch dazu?


Ein starkes Organ

Flüstertüten waren die Vorläufer des Mikrofons. Der Ansager oder Sänger musste seine Lungen ordentlich anstrengen, um sich vor seinem Publikum verständlich zu machen. Interessanterweise waren die Sänger der Zeit vor der Erfindung des Mikrofons für die späteren Bühnen- und  Show-Epochen nicht geeignet. Sie waren stimmlich zu stark. Sie hatten eine Bühnenstimme und ein entsprechende gesangliche Ausbildung. 

Die Geschichte kann an die Berichte von Historikern über die Körperkräfte unserer Vorfahren erinnern. Der Urmensch war nach Knochenfunden zu urteilen uns körperlich weit überlegen. Erst mit der Erfindung moderner Geräte und Werkzeuge schwanden die Körperkräfte. Ähnliche scheint auf dem Gebiet der Sangeskunst ereignet zu haben.

Crooner mussten also nicht mehr lautstark die Geliebte ansingen. Ein leises Flüstern, eine gehauchte Stimme, drang nun auch zur Partnerin auf der Bühne und zum Publikum durch. 



Alles easy

Bing Crosby soll dem Crooning zum Durchbruch verholfen haben (*).Der Begriff Crooning wandelte sich im Laufe der Zeit der Ausdruck zum „Easy Listening“.

 

Also ist Blue Velvet zum Genre „Easy Listening“ zu zählen. Die Songs von Frank Sinatra kann man nun ohne großes Nachdenken in die gleiche Rubrik einordnen. 


Der Bariton und die Pop-Größen jener Zeit

Jetzt noch ein abschließender Blick in die Oldie Liste. Pat Boone hatte mit „Love Letters in the Sand“ seinerzeit einen sehr großen Erfolgshit. Ist das Crooning?
Pat Boone`s Gesangsstil wird als Bariton bezeichnet und in die Nähe von Bing Crosby gerückt (*). Bariton wird sprachlich hergeleitet von den griechischen Wörtern „schwer“ und „Klang“. Der Bariton ist stimmlich angesiedelt zwischen Tenor und Bass (*). Im Wikipedia Artikel werden als Bariton Sänger in der Popmusik u.a. Lee Hazlewood, Elvis Presley und Tom Jones genannt. 

Fazit. Es ist immer wieder toll, auf welche Themen und zu welchen Erkenntnissen ein Schlagerfreund kommen kann, wenn er die Hintergrundinformationen zu einem populären Song nachschlägt. Diese „Crooning“ Sänger haben ein wunderbares Talent geerbt und uns manche schöne Stunden bereitet.


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Update Januar 2018. Samt – das Doppeldecker Gewebe

Haben Sie noch Lust ein bisschen über den Text mitzudenken? Blue Velvet bedeutet blauer Samt. Im Text ist ein Kleid oder ein anderes Kleidungsstück genannt. Der Stoff muss den Texter sehr angesprochen haben. Samt bedeutet weich. Was wird aus Samt hergestellt?

  • Vorhänge im Theater. 
  • Samtkissen
  • Schleifen, Binder

Im übertragenen Sinn sprechen wir von samtweichen Pfötchen bei kleinen Hauskatzen

Seide und Samt werden in Schlagertexten gern zusammen besungen, zum Beispiel von Peter Alexander aus dem Jahr 1964.


Die Bemerkung über Seide und Samt baut eine Brücke zum Herstellungsverfahren. Dies wird im Wikipedia Artikel sehr anschaulich beschrieben (*). Für einen Laien im Fachbereich Textil ergeben sich interessante neue Einblicke.

Es handelt sich um ein doppeltes Gewebe. In den Untergrund wird ein sogenannter Flor eingewebt, und zwar senkrecht zum Basisgewebe. Was ist Flor? Ein senkrechter Einzug, wie beim Knüpfteppich.
Der Samtstoff hat also senkrechte Einzüge vorzuweisen. Das kann einem Leser neu vorkommen. Und dank dieser Einzüge wirkt der samt so besonders weich. Diese Florstücke werden nämlich kurz abgeschnitten und ergeben den typische samtweichen Effekt.

Das ist sehr interessant zu wissen. Dann gibt es noch zwei Hinweise im Lexikon Text. Velours ist auch eine Art Samt Gewebe. Allerdings lässt man den Flor länger herausschauen(*). Beide Materialien, Samt und Velours, werden als „flauschig“ bezeichnet. 

Es gibt noch weitere Unterteilungen solcher Stoffe, wie Plüsch und Brokat. Mit den Informationen über Samt und Velours kann der Musikfreund nun umso aufmerksamer dem Crooning Sänger mit der samtweichen Stimme zuhören.  

 

(*) Textquellen: Wikipedia/ samt, /Velours