Yoga und Disziplin – per aspera ad astra

Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt. Yoga ist angesagt. Hoppla, was sind das denn für neue Töne beim Yoga? 

Yoga – geben und nehmen

Der Yoga ist gemein. Erst verspricht er uns allerlei. Und im zweiten Satz fordert die sanfte Lehre eine Bemühungspflicht ein. Und - was bekommt man dafür?
Lesen Sie über erstaunliche Erkenntnisse zu einer interessanten Fragestellung.

Los geht`s.
Los geht`s.

Update November 2017. Yoga als Zustand.

Den Text zum Update finden Sie weiter unten im Artikel.

Auf die Dauer hilft nur Disziplin

Yoga ist soft. Weiche, fließende Bewegungen machen den Körper biegsam und schlank. Allerdings muss man dafür üben, und zwar regelmäßig.

Für einen aktiven Sportler bedeutet diese Erkenntnis auch nichts Neues. Was haben die alten Weisheitslehrer aus Indien zu bieten außer bekannten Tatsachen?

Das Thema heißt Disziplin. Auch an diesem Punkt kann der abendländische Leser die Augenlider hochklappen Disziplin, diesen Ausdruck haben bei uns die Preußen gepachtet. Stramm stehen, exerzieren, grüßen, gehorchen. Was hat der Yoga in diesem Bereich zu suchen?

Es geht um innere Disziplin. Das Thema ist die Überwindung des inneren Schweinehundes. Täglich üben; die Zeiten und die Übungsfolgen sind einzuhalten. Zwischen den Asanas legt der Adept sich brav auf den Boden und lässt in der Totenstellung die Übung nachwirken. Aber das ist noch nicht alles.

Zu den Sternen

Die Übung innerer und äußerer Disziplin wurde auch nicht von den Preußen erfunden. Bereits der römische Philosoph Seneca prägte diesen Spruch auf seine Weise. „Durch das Raue zu den Sternen“, so heißt es bei Seneca (*).
Ohne Schweiß kein Preis, dies ist dem Athleten auch bekannt. Was erwartet den Yogajünger bei den Sternen?
Ein himmlisches Gefühl - Transzendenz (*). Beständiges Üben führt ihn zur Quelle, zum Glücklichsein, so sagen die alten Schriften.

Für den, der weiterliest, halten die indischen Weisen eine dicke Überraschung parat. Der ursprüngliche Yoga hatte mit Gymnastik nichts am Hut.
Die alten Schriften halten in circa 150 Kernsätzen allerlei Ratschläge für ein glückliches Leben bereit (*). Es geht den Erfindern dieser Weltanschauung in erster Linie um das Innehalten. Augen zu und meditieren. Das gibt zwar keine Muckis, soll aber den Kopf freimachen.
Der Königsweg führt zur Beherrschung des Geistes, wie es genannt wird. 

Die Augen geschlossen zu halten kann auf die Dauer langweilig werden. Ungeduld kommt auf. Jetzt muss der Übende eine eiserne Disziplin bewahren, damit er nicht vor dem Übungsende wieder einen ungeduldigen Blick auf die äußere Welt wirft. Durchhalten, genau das ist mit dieser Art von Disziplin gemeint.

Innere Ressourcen-Optimierung

Ein interessanter Ansatz,. Wie kamen die Inder darauf?
Sie vergleichen den menschlichen Geist mit einer Affenherde. Diese putzigen Tierchen können nie längere Zeit auf einem Platz sitzen. Ständig sausen sie herum. Wie die Gedanken beim Menschen.

Was passiert, wenn der Yogi seinen Geist zügelt? Es treten aus seinem Inneren andere Gedanken zutage. Von außen kommt kein neuer Input, also schaut der Geist, was sich „drinnen“ angesammelt hat. Daraus können bei einem erwachsenen Menschen allerlei Ideen entstehen. Die Hirnhälften schließen sich zusammen, sie arbeiten dann wie ein Doppelprozessor. Als Ergebnis entsteht die Erleuchtung? Wer weiß.

Jedenfalls stellt uns das Weltbild des Yoga vor eine schwierige innere Auseinandersetzung. Dabei gibt es keinen Schweiß, keine angespannten Muskeln, man muss noch nicht einmal den Sonnengruß durchfedern. Nur die Augen schließen.

Der Fachausdruck für diese Art von Beständigkeit lautet abhyasa. In der Übersetzung  bedeutet dieser Begriff „die Kultivierung eines disziplinierten Handelns“ (*). Die indische Philosophie hat etwas an sich. Disziplinierte Versenkung als Schlüssel zum Glücklichsein – ein interessanter Ansatz.

Update: Yoga als Zustand > weiter unten im Artikel


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Yoga ist ein Zustand.

Der neugierige Leser reibt sich die Augen. Ist Yoga demnach keine Gymnastik? Nein, durch weiteres Querlesen in der üppigen Yoga Literatur wird dieser Satz bestätigt. Ein erfolgreicher Yogi befindet sich im Zustand des Yoga.

 

Und was hat er davon? Heiterkeit, oder die Abwesenheit von Betrübnis. 


Für diese "Betrübnis" gibt es gleich fünf unangenehme Quellen.

 

Die sinnliche Wahrnehmung. Die Yogis des Altertums gingen davon aus, dass unsere fünf Sinne nur unzureichend arbeiten, um es einmal freundlich auszudrücken. Nach einigem Nachdenken kann der Mensch von heute diese Behauptung in einem gewissen Umfang bestätigen. Man kann schlecht durch die Tischdecke auf das Holz des Tisches gucken. Und am Hauptbahnhof in Münster kann der Reisende auch nicht die Ansage aus Hamburg hören, falls er es wollte. So geht es weiter mit allen fünf Sinnen, und mit dem Denken. Die intellektuelle Fertigkeit wird in vielen Texten nämlich gleichfalls zu den Sinneswahrnehmungen gerechnet. Und welcher Mensch hat sich nicht schon einmal geirrt?
Also, das Fazit. Die fünf oder sechs Sinne sind recht unzuverlässige Werkzeuge und sie können zu manchem Betrübnis führen.

Nummer zwei ist die Einbildung, auch mentale Konstruktion genannt. Wenn sich eine/r also einbildet etwas genau zu wissen, dann überdeckt er die innere Klarheit, so sagt der Yoga zumindest. An diesem Punkt unterscheidet der Yoga offenbar scharf zwischen Intellekt und innerer Erfahrung. 

Für den Menschen aus dem Westen wird die Lehre nun schon ein bisschen unverständlich . Oder man muss noch weiter nach dem Sinn der message suchen.

Auf Platz drei im Trübungen Ranking folgen die Hirngespinste. Wenn einer/r zu viel herumfantasiert, dann verliert er nicht nur den Boden der Realität. Nach der Yogalehre verliert er den klaren Blick, der dem Menschen aus seinem Inneren wie natürlich zur Verfügung steht. Das hört sich gut an, und es spricht für manche Meditations-Empfehlung. In der Ruhe liegt die Klarheit.

„Sitting at the dock oft he bay“ ist weiterhin extrem schädlich für den yogischen Durchblick. Menschen, die vor sich hindösen, kappen den Kontakt zur Innenschau. Und diese Innenschau ist, yogamässig betrachtet, klar und rein. Weil der Verstand im Pausenzustand jedoch „wie eine Affenhorde“ hin und her springt haben die alten Meister die Mantras gefunden. Sie sind die Anker für springende Gedanken. 

Und dann kam die Erinnerung. Die nostalgische Rückschau in die gute, alte Zeit wird im Yoga gar nicht gern gesehen. Wenn sie gut war, die Zeit, dann verstellt der Blick durch die rosarote Brille das Verständnis der Welt, wie sie ist. Also, immer schön im Hier und Jetzt leben, dann klappt es auch mit dem Yoga.

Diese fünf Hindernisse werden in der Literatur häufig aufgezählt. Sie betrüben den Menschen, weil sie das wahre Wesen der Natur verdecken.
Und was ist das wahre Wesen der Natur? Mal schauen, wie es weitergeht …

 

(*) Textquellen;
Wikipedia/ Yoga, /Shankara, /samadhi