Der Tiger von Eschnapur, die Göttin Kali und der Urknall.

Ostern bedeutet auch - jede Menge Spielfilme im Fernsehen. Wiederholungen sind keine Seltenheit. Bald taucht auch „Der Tiger von Eschnapur“ aus dem Jahr 1959 wieder auf. Wo liegt diese Stadt, und welche Geschichte erzählt sie?
Auf in ein doppeltes exotisches Abenteuer aus Film und Wirklichkeit. Hier geht es zum Text >>



Indien – ein Land voller Rätsel

Debra Paget tanzt den Schlangentanz. Die böse Göttin Kali will es so. Paul Hubschmid kennt keine Angst und besteht alle Abenteuer. Dann folgt eine Fortsetzung mit dem Titel „Das indische Grabmal“. 

Man kann sich gut vorstellen, dass Ende der 1950er Jahren solche exotischen Abenteuer den Nerv des Filmpublikums getroffen hatten. Es war die Zeit vor dem Ferntourismus, wie wir ihn heute kennen. Fremde Länder, das hieß Karl May und Kino.

Die Macher des Films waren clever. Sie sind zu den Originalschauplätzen gefahren. Möglicherweise war dies mit ein Grund für den Erfolg dieses Filmes.



Der Ort der Handlung

Einen Schauplatz für die Film-Stadt "Eschnapur" gibt es offenbar wirklich. Er liegt in Indien und heißt mit richtigem Namen Udaipur (*).

Laut Wikipedia ist die Stadt ein vielbesuchtes Touristenziel. Es gibt dort den großartigen Palast eines Maharadschas zu besichtigen. Ein paradiesischer Stadtgarten wird erwähnt. Und James Bond war auch schon da. Der Lake Palast liegt mitten in einem See, ähnlich wie bei uns die Wasserschlösser. Die ehemalige Sommer Residenz beherbergt heute ein berühmtes Hotel. An diesem Ort wurden Szenen zum Bond-Film „Octopussy“ aus dem Jahr 1983 gedreht. 

Und eben dieser Palast hat auch als Kulisse für den Film „Der Tiger von Eschnapur“ gedient (*). Über den Unterhaltungswert des Films kann der Filmfreund selbst urteilen.
Aber was bedeutet die Göttin Kali?



Knall auf Fall

Kali ist der Urknall. Sie wurde aus der Stirn eines Gottes geboren, der bei der Erschaffung des Weltalls ziemlich laut gewesen sein soll (*).
OK, andere Länder, andere Schöpfungsmythen. Und warum hat Debra Paget im Film den Schlangentanz performt? 

Kali ist die Göttin des Todes. Sie trägt um den Hals eine Kette mit Totenschädeln (*). Auf dem Schlachtfeld tanzt sie auf den Körpern der Gefallenen. Warum tut sie das? Sie verscheucht die Dämonen des Krieges. 

Jedes Ding hat zwei Seiten. So verhält es sich bei Kali auch. Sie ist nämlich auch eine Art Mutter Gottes auf indisch, wenn ein Leser dies richtig interpretiert. Nach der Zerstörung entsteht ein neues Leben. Und dies ist der zweite Aspekt von Kali (*).



Kommt Zeit, kommt Kali.

Die Göttin verkörpert ebenfalls das Phänomen der Zeit (*). Eine Welt entsteht, sie erreicht ihren Höhepunkt, und diese Welt vergeht wieder. Anschließend kommt die Zeit vorbei und lässt das Spiel von neuem beginnen. Die Tempeltänzerin spielt in ihren Bewegungen und in ihren Handgesten, den Mudras, dieses kosmische Schauspiel nach.
Jetzt kann man den Film mit anderen Augen betrachten. 

Wo stehen wir eigentlich im universellen Zeitgeschehen? Nach hinduistischem Weltverständnis befinden wir uns ziemlich tief in  einem dunklen Zeitalter. Das ganze Lamento heißt Kali-Yuga soll noch gut 400.000 Jahre dauern (*). Dann geht es wieder aufwärts. Bis dahin muss der Mensch sich irgendwie durchwurschteln. 



Ein Blick zum Himmel. Wird für einen kleinen Osterspaziergang heute wenigstens die Sonne scheinen?


(*) Textquellen:
Wikipedia/ Uidapur, /Kali (Göttin), /Kali-Yuga

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