Wo liegt das Totenreich?

Der Hades ist das Totenreich mit fünf Buchstaben im Kreuzworträtsel. Das letzte Hemd hat keine Taschen. Tote sind in der Regel arm. Dieser Zustand hat mit der Herrschaft über ein Toten-“reich“ wenig zu tun.

Ein Gott oder ein ähnliches Wesen könnte über ein Totenreich herrschen. Aber warum sollte ein Gott sich ein solches Reich erschaffen, wenn alle Bewohner tot und arm sind? Irgend etwas stimmt mit diesem Ausdruck nicht. Mal nachsehen ...

Dieses Bild zeigt einen düsteren Zugang zu einer diffusen Landschaft. So stellt sich mancher das Tor zum Totenreich vor. Gibt es diesen mythischen Ort wirklich?


Geschichten am Lagerfeuer erzählen

Wie kamen unsere Ahnen auf die Idee, sich ein Totenreich zu schaffen? Man stellt sich vielleicht vor, dass sein Stammesmitglied am nächsten Morgen nicht mehr aufwacht. Die übrigen Angehörigen der Gemeinschaft beerdigen den Toten oder sie äschern ihn ein. Beim nächsten abendlichen Gespräch am Lagerfeuer denken sie sich verschiedene Geschichten aus, wo der Verstorbene wohl jetzt sein mag. So könnten die verschiedenen Versionen über Sagen und Märchen zum Thema Totenreich entstanden sein.

Die alten Griechen waren besonders begabte Storyteller. Für sie waren die Verstorbenen unter die Erde verschwunden, eben weil man sie nicht mehr sah. Die Griechen gelten in unserem weltlichen Kulturkreis als Mitentdecker der Unterwelt.
Die Oberwelt und der Hades sind durch einen Fluss voneinander getrennt. Vor dem Eingang zur Unterwelt wacht ein grimmiger Hund. Er lässt keinen Lebenden hinein, und keinen Toten hinaus (*).



Warum sollte ein Lebender freiwillig dort hineingehen? Vielleicht aus Neugier, oder um einen lieben Verwandten herauszuholen, damit er noch ein bisschen in der Oberwelt weiterleben kann.

 

Hinaus darf auch keiner. Die Frage stellt sich, wie eine tote Seele ohne Beine aus einer unteren Welt herauslaufen könnte. Die nächste Frage ist, wie ein körperlich aktiver Wachhund eine nicht-körperliche Seele am Ausgehen hindern will. Also, irgendwie ist die Geschichte vom Hades, vom Grenzfluss Styx und vom Höllenhund Zerberus (*) nicht ganz zu Ende gedacht. Oder man versteht die ganze griechische Mythologie als moderner Mensch nicht mehr.


Hopp oder Topp

Mit der Einweisung in den Hades ist es für die armen Seelen ohnehin nicht getan. Drei Richter beraten über Soll und Haben in der Lebensbilanz des Verstorbenen. Ist das Konto im Plus, dann geht die Reise weiter auf die Insel der Glückseligen (*), auf nach Elysion. Das ist noch einmal gut gegangen.
Bei einem negativen Lebenskonto geht es nach einem entsprechenden Richterspruch nämlich ab in den Tartaros. Und dort wird von Dämonen mit einem Dreizack gepiekst, was das Zeug hält. Auch hier darf ein nachdenklicher Zeitgenosse nachfragen, wie ein Dämon eine körperlose Seele pieksen will. 

Anscheinend haben die Stories von der Unterwelt in der Oberwelt nicht durchschlagend gewirkt. Die griechische Geschichte und überhaupt die Geschichte des Abendlandes sind voll mit Schandtaten jeder Couleur, von den zahlreichen Schlachten ganz zu schweigen. Hades zieht nicht sosehr, und Zerberus und die anderen mythologischen Gestalten hatten auch nur einen begrenzten Einfluss auf das bisherige Weltgeschehen.



Andere Länder, andere Totenreiche

Im hohen Norden liest man von ähnlichen Geschichten wie im sonnigen Griechenland (*). Allerdings haben die Helden dort eine besondere Chance. Wer sich von den Recken tapfer schlägt, der kommt in Walhall. Und dort fließt das Met in Strömen. Oktoberfest all year long, das ist die Lösung für die Nordmänner. Statt Panikmache vor dem Hades gibt es die Aussicht auf ein super Leben in Hyperborea.

Ägypten macht immer ein bisschen Angst. Keiner weiß, wer die Pyramiden gebaut hat - und die Steine sind wirklich sehr schwer. Die alten Ägypter wussten etwas, was wir heute immer noch nicht herausgefunden haben.
Und ihre Götter tragen mitunter sehr seltsame Kopfbedeckungen. 

Dieser Anubis erscheint mit einem schwarzen Kopf wie ein Schakal. Anubis ist für die Toten und ihre Einbalsamierung zuständig.
Es kann einem schon Angst und Bange werden, wenn Anubis sich auf den Wandmalereien über den Toten beugt und diesen einbalsamiert. Stellt sich einer einmal vor, der Mensch ist nur scheintot. Er wacht auf und sieht dieses Wesen mit einem Hundskopf über sich werkeln. Die Person fällt vielleicht gleich tot um, und diesmal wirklich.



Ex Fernost lux

Also, diese ganze Sache mit dem Totenreich kann für einen kritischen Menschen auch wenig überzeugend wirken.
Die Inder haben das besser gemacht. Sie brauchen kein Totenreich. Für sie ist die Seele unsterblich. Wenn der Körper stirbt, dann wandert die Seele in den Himmel. Dort hält sie Ausschau nach einem Neugeborenen, das der Seele zusagt. Flugs schlüpft sie in diesen Körper und macht eine neue Runde dort untern. Samsara nennt sich dieser Vorgang, der ewige Kreislauf.

Jetzt haben die Inder auch einen Schritt weitergedacht. Nach 10.000 Leveln in einem Computerspiel kann das Game auch schon einmal langweilig werden. Wie kommt die Seele nun aus dieser Endlosschleife der Wiedergeburten heraus?
Durch Yoga und ähnliche Praktiken kann der individuelle Gamer auf einen Highway der Erleuchtung gelangen. Am Ende vereinigt er sich mit dem Höchsten Selbst. Er ist wunschlos glücklich und zufrieden und muss nicht mehr in die Tretmühle. In der indischen Version von Geburt und Tod ist ewige Glückseligkeit das Ziel vom Spiel des Lebens. 

 

Die Asiaten sind clever.



(*) Textquellen:
Wikipedia/ Totenreich, /Walhall, /Anubis, 

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