Warum ging im Reich des „Sonnenkönigs“ die Sonne nie unter?

Wenn in einem Reich die Sonne nie untergeht, dann muss dieser Herrschaftsbereich schon sehr groß sein. Wie weit erstreckte sich damals das Gebiet des „Sonnenkönigs“. Und – war sein Reich größer als das von Alexander dem Großen oder von Dschingis Khan?
Interessante Fragen tun sich auf – posthum, denn die Geschichte von Ludwig dem XIV. ist schon eine Weile her. Um das Jahr 1700 kann man sich das Datum als Faustregel merken.
Große Herrscher, kaum Sonne im Herzen und Bezüge zur aktuellen Geschichte. Was kann man daraus machen? Ein ungewöhnlicher Vergleich kann interessant werden.
Mal sehen, was dabei herauskommt …

  • Warum konnte Ludwig der 14. ein solch großes Reich schaffen?
  • Waren die Reiche von Alexander oder von Dschingis Khan größer?
  • Was ist aus den Besitzungen des Sonnenkönigs geworden?

 

 

 



Methusalem der 14.

Louis XIV soll 72 Jahre lang regiert haben (*). Da staunt der Laie.
In jüngster Zeit bringt es Queen Elizabeth auf runde 60 Jahre. 72 Jahre – wie hat der Sonnenkönig es geschafft, so alt zu werden und dabei im Sattel zu sitzen?

Er war ein Glücksfall für seine aristokratische Umgebung. Seine Eltern sollen jahrelang kinderlos geblieben sein (*). Dann kam Louis, und die Erbfolge war gerettet.

 

Im Alter von 14 Jahren wurde er Landeschef. Ein Kardinal Mazarin soll Louis zielgerichtet auf die Amtsgeschäfte vorbereitet haben. Das hört sich gut an. Begabte Kinder soll man fördern, so steht es auch heute wieder in den Medien. Allerdings bildete der kleine Ludwig sich zu einem absolutistischen Herrscher heran. Was bedeutet dies für die anderen Menschen in seiner Umgebung? 

Völlig losgelöst

Absolutismus bedeutet für alle anderen: das Maul zu halten. Ein Herrscher dieser Provenienz hat allein das Sagen. Er ist keinem Gesetz unterworfen. Der Papst wird von Wikipedia in einem Atemzug genannt (*).
Der Sonnenkönig hat wohl auch reichlich Ungemach über sein Volk gebracht. Bei so viel Prachtentfaltung ist sehr viel Armut entstanden. Während der Französischen Revolution hat eine aufgebrachte Menschenmenge sein Grab in der Kirche St-Denis gestürmt und verwüstet (*). Nachträglich wundert man sich, dass die Menschen sich nicht früher gegen den Absolutismus gewehrt hatten.



Nutznießer Louis

Der französische König war wohl ein raffinierter Herrscher, aber er hatte auch die Gunst der Stunde. Der 30-jährige Krieg endete im Jahr 1648. Mitteleuropa lag in Trümmern. Frankreich kam offenbar relativ ungeschoren davon. Somit war der Sonnenkönig zu dieser Zeit der Herrscher des relativ mächtigsten Landes in Europa. Wenn es denn so stimmt, dann kann ein Leser heute nur darüber staunen. Alles war kaputt und einer blieb als Sieger übrig.

Schließlich heiratet Louis die Prinzessin Mara Theresia von Spanien (*). Damit vergrößerte sich seine Macht entsprechend nach Süden. Maria Theresia war übrigens eine „Infantin“. Solche Titel liest man manchmal in historischen Romanen. Infantin bedeutet in etwa „Prinzessin“. Durch die Heirat wurde die Prinzessin plötzlich zur Königin.

Zur Überraschung eines Urlaubes der Gegenwart erzählen die Geschichtsschreiber von Kämpfen Frankreich gegen die Niederlande, gegen Spanien und gegen und andere NachbarländerDie Volker in Europa haben sich anscheinend ständig bekriegt.

Louis war wohl ein cleverer Stratege. Er soll ein stehendes Herr geschaffen haben von fast 300.000 Mann (*). Schließlich gewann er mehrere Kriege gegen die genannten Länder. Somit baute Frankreich sein Territorium in Europa beträchtlich aus.

Ubique terrarum

Ein Blick auf die Karte. Frankreich und einige Erwerbungen sehen relativ überschaubar aus gegenüber den Karten, die man vom Reich Alexanders des Großen oder von Dschingis Khan sieht. Wieso nannte man Louis XIV dann den Sonnenkönig?

Die Reiche von Alexander und Dschingis Khan waren räumlich recht zusammenhängende Gebilde. Der Sonnenkönig errichte weit über den Globus verstreute Kolonien (*). Kanada wird genannt und Louisiana. Indien und Martinique kamen unter französische Herrschaft und Französisch-Guyana in Südamerika. Aha, sagt der zeitgenössische Leser. Daher kommen alle die bekannten Namen.
Kanada ging später an England und schließlich in den Staat Kanada über. Französisch-Indien ging in den 1950er Jahren in die Bundesrepublik Indien auf.  Louisiana wurde im sogenannten „Louisiana Purchase“ an die USA verkauft. Martinique, Französisch Guayana und einige andere Gebiete sind immer noch (Übersee-)Regionen Frankreichs.

Jetzt versteht man den Titel des Königs, in dessen Reich die Sonne nie unterging. Im Osten, in Indien ging sie auf, erreichte ihren 12-Uhr-Zenit über Europa, und schließlich ging sie über dem amerikanischen Kontinent unter. So sah man damals die Welt. Und der Autor und der Leser kennen nun den Hintergrund zum Titel „der Sonnenkönig“.



Fazit.

Geschichte kann Spaß machen, wenn man den Begriffen auf den Grund geht. Und schließlich bedeuten ein paar laterale Gedankenverbindungen zu der Welt von heute das Salz in der Historiensuppe.

  • Von den genannten drei großen Reichen ist nicht viel übrig geblieben. Aber eine vereinte Weltnation hat auch noch nicht geklappt. 
  • Dann bleiben noch einige interessante Randnotizen. Die Infantin wurde im Text kurz vorgestellt. Was ist ein Dauphin? Mal sehen.
  • Das Thema Versailles kann für den Kulturfreund interessant sein. Es kann der Gedanke aufkommen an einen Besuch bei der nächsten Bustour „3 Tage Paris mit Stadtrundfahrt und Schlossbesichtigung“.
  • Schließlich kann das Thema „Barock“ reizen. 

(Fortsetzung folgt).

 

(*) Textquellen:

Wikipedia/ Ludwig der XIV, /Absolutismus

Anzeige